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AwA > Independent Persian Music
Master Of Radif: Ostad Mohammad Reza Shajarian
Master Of Radif: Ostad M. Shajarian



Radif (pers. Reihe)

Die Musik von AWA wird inspiriert und zum grössten Teil auch geprägt durch Radif, eine Sammlung von ca. 400 klassischer, persischer Musikstücke (Gusche ha).

Diese Kompositionen, die jeweils ein Ausdruck einer bestimmten zu seiner Zeit existierende Stimmung waren, bilden das Repertoire an traditionellen Stücken in der klassischen persischen Musik.

Durch die Viefalt an klanglicher Möglichkeiten und die Unterschiedlichkeit an Variationen ist es möglich immer wieder durch Radif neue Ideen und Richtungen zu erleben und somit sich auf neues Terrain zu begeben.

Radif basiert auf sieben Dastgah (pers. Grundstrukturen) und fünf Awaz (pers. Ableitungen). Zusammen bilden sie somit zwölf verschiedene Tonlagen. Diese Melodienkomplexe spiegeln die verschiedenen Empfindungen der Menschen wieder und werden bestimmten Tageszeiten, Farben und Elementen zugeordnet.

Herr Dr. Shams Anwari-Alhosseyni (Dozent für persische Sprache, Literatur und Kalligraphie an der Uni Köln) beschreibt die Entwicklung des Radifs wie folgt:

Im 9. und 10. Jahrhundert schreiben die Musikwissenschaftler großartige, systematische Abhandlungen über Musik, deren Gültigkeit bis heute unbestritten ist. Diese Musik ist jahrhundertelang weitgehend oral tradiert worden (sineh-be-sineh: "von Brust zu Brust").

Im 19. Jh. entwickelt sich eine Art traditionelle Kunstmusik (radif), deren umfangreiche Melodien und Improvisationsmodelle durch Notation und Transkription festgehalten werden. Hierbei sind mannigfaltige Einflüsse und Anregungen aus der europäischen Kultur nicht zu übersehen.

Der radif ist in verschiedene Modi (Dastgah-ha) eingebettet. Dastgah - ein tonales Zentrum der traditionellen Kunstmusik - besteht aus "dast" (Hand) und "gah" (Ort, Zeit). d.h. je nach der Reihenfolge - wie oder wo man die Hand anlegt oder welche Zeit für eine Musik ausgewählt ist - werden geistige Reflexionen oder seelische Bindungen und emotionale Reaktionen herbeigezaubert. Eine Wanderung durch die zahlreichen pittoresken Ecken und Winkel (gushe-ha) macht uns mit dem Reich des Dastgah vertraut, wobei diese gushe-ha sich nur auf drei bis vier Töne stützen, sich aus ihnen entfalten und wieder an ihrem Ausgangspunkt (forud) landen. Ohne Ansammlung und Koordinierung dieser Bausteine ist die Aufführung eines Dastgah nicht möglich.

Ein wesentlicher Bestandteil der iranischen Musik ist die Improvisation. Im Grunde genommen hat der Vortrag eines Dastgah, der spontan improvisiert wird, mit der inneren Stimmung der Vorführenden und mit der Sensibilität der Zuhörenden zu tun: ein reziproker Dialog zwischen Meditation des Klanges und Implosion des Schweigens.

"Wie viele Worte möchtest du noch, o Sa'di, über die Wissenschaft der Musik verlieren,
Geheimnisse des Herzens offenbaren sich doch nur dem Ohr der Seele"
(Sa'di, 13. Jh.).

Es existieren sieben Haupt-Dastgah-ha sowie fünf davon abgeleitete Modi (awaz-ha):
Dastgah-e Shur
' awaz-e Abu'ata
' awaz-e Bayat-e Tork
' awaz-e Dashti
' awaz-e Afshari
Dastgah-e Homayun
' awaz-e Esfahan
Dastgah-e Segah
Dastgah-e Chahargah
Dastgah-e Nawa
Dastgah-e Mahur
Dastgah-e Rastpandjgah


Selbstverständlich kann man verschiedene Dastgah-ha miteinander mischen, was man als morakkab-chani und morakkab-nawazi bezeichnet.
Jeder Dastgah hat seine spezifische Klangfarbe, die den Sinn zum Singen und das Gefühl zum Tanzen bringt: Mahur vermittelt eine heitere Kühnheit, Chahargah eine verhaltene Freude. Shur - ein breit angelegter Dastgah - ist majestätisch und ernst, während Dashti und Afshari eine tiefe Trauer darstellen. Segah führt in eine mystische Dimension und Homayun versetzt in eine süße Melancholie.

Ein Dastgah besteht aus fünf Formteilen, die beliebig variiert werden können: pishdaramad (Einleitung), chaharmezrab (metrisierter Teil), awaz (Gesang), tasnif (Lied), reng (Tanz). Die wichtigsten traditionellen iranischen Instrumente sind tar, setar (Langhalslauten), barbat (Krummlaute), kamancheh (Spießgeige, Schoßgeige), nai (Flöte), santur (Trapezzither), tonbak (Bechertrommel) und daf (Rahmentrommel).

Das Musikleben beinhaltet Hofmusik, ländliche Spielleute (motreb), mystische Gesänge im Derwischkloster (khaneqah), vor allem Volksmusik und religiöse Musik: Passionsspiele (ta'ziyeh), Erzählungen der Leidensgeschichten der Märtyrer (rouzeh und nouheh). All diese sind miteinander verwachsen, befruchten sich gegenseitig, nähren sich voneinander und sind mit dem Dastgah eng verwandt. Diese vielseitige Verwandtschaft macht die iranische Musik zu einer der klangvollsten unserer Zeit.

"Kein Spielmann spielt diese Melodie, keine Nachtigall kann so schlagen"
(Sa'di).